Zeche Eimerweise. Kleinbergbau nach 1945

Presse zur Ausstellung "Zeche Eimerweise"

Zeitzeugen am Telefon

Von Lisa Timm

aus: Ruhr-Nachrichten Witten, 23. Juni 2006 ©

Bommern - Aus einer Zeit, als mit Kohle noch so richtig Geld verdient wurde, erzählt der nun komplette Ausstellungs-Trakt "Kleinzechen" des Westfälischen Industriemuseums Zeche Nachtigall. Gestern war Eröffnung.

So gar nicht verstaubt, wie die Thematik vermuten lässt, stellt sich die Blütezeit der Kohleförderung kurz nach dem Kriege dar: Dank der lebendigen Aufarbeitung des Themas durch die Historiker Stefan Nies und Matthias Dudde sowie der professionellen und anschaulichen Präsentation der Exponate durch das Bielefelder Design-Büro Arndt und Seelig.

In einer nachempfundenen Betriebsbude, die früher multifunktional als Verwaltungs-, Umkleidegebäude, Waschkaue und Kantine genutzt wurde, ist anhand der Schaustücke nachzuerleben, wie die Kleinzechen nach dem Kriege boomten und unter welchen Bedingungen die Menschen dort arbeiteten.

Mühsame Spurensuche

Im Kleinzechen-Betriebsbüro: v.l.: Michael Peters, Klaus Tischmann, Stefan Nies (C) RN, Jürgen Appelhans
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Um das Museums-Material zusammen zu bekommen, haben die Historiker Stefan Nies und Matthias Dudde eine mehrjährige, intensive Spurensuche unternommen. Zum Glück noch rechtzeitig, da die Zahl der noch lebenden Zeitzeugen immer kleiner wird. Kleinunternehmer, die in den Nachkriegsjahren, als Deutschland noch am Boden lag, mit Kohle ihr Glück machen wollten. "Das ging eine Zeit lang richtig gut", erinnert sich Klaus Tischmann, der heute als ehrenamtlicher Betriebsführer auf Zeche Nachtigall durch den Nachtigallenstollen führt. Der 69-Jährige kannte sie fast alle, die Kleinzechen im Umkreis. Denn als früherer Diplom-Bergingenieur arbeitete er für die Bergbau-Abteilung des Rheinisch-Westfälischen TÜV und war als Sachverständiger für die technische Überprüfung der Kleinzechen zuständig.

Die Namen der damaligen Zechen-Eigner stöberte das Historiker-Duo in Archiven auf, um dann auch durch Mund-zu-Mund-Überlieferung mit weiteren Kleinzechen-Baronen ins Gespräch zu kommen. Mitschnitten der Interviews können die Besucher des Industrie-Museums lauschen.

Fritz erzählt von früher

Und zwar vom Stuhl des Zechen-Eigners aus, wo sich am daneben stehenden Uralt-Telefon nach Drehen der Wählscheibe z.B. Kurt oder Fritz melden und von den früheren Bedingungen im Kleinbergwerk erzählen. Pfiffig aufbereitet wurde auch der Rest des Anschauungsmaterials in den Vitrinen, die wie überdimensionale Aktenordner den Raum in kleine Ausstellungsflächen unterteilen. Dort erfährt man auch, dass die Städte den kleinteiligen Kohleabbau überhaupt nicht gerne sahen, weil durch unverhältnismäßig viele Tagesbrüche ganz Wäldchen in Gefahr waren.

Und auch die Bedeutung des im Kriege gebräuchlichen Wortes "fringsen" erfährt im Kleinzechen-Bereich des Museums eine Erklärung. In einer Ansprache erteilte der damalige Kardinal Frings quasi Absolution für den so genannten Mundraub, der auch den Kohlen-Klau während der bitterkalten Nachkriegswinter mit einschloss.